Clown und Klänge

Das Brass-Ensemble des Landespolizeiorchesters Baden-Württemberg gab ein Benefizkonzert zugunsten der Demenzarbeit der Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis e.V.. Durch das Programm führte – und stolperte –

 

Wie viele Musiker gehören zu einer Zehner-Formation bei den Blechbläsern? Elf natürlich. Zehn Blechbläser und ein Schlagzeuger. Hätten Sie’s gewusst?

 

Denn das Schlagzeug gehört immer dazu, zählt aber nicht.  Rechnerisch jedenfalls - musikalisch spielt der Trommler (oder die Trommlerin) natürlich eine wichtige Rolle.

 

Solche – und noch viel mehr – lebenswichtige Erkenntnis über die Blechbläserei gewannen die Menschen, die das Jubiläumskonzert der Demenz-Betreuungsgruppen im Waiblinger Bürgerzentrum besuchten. Es stand unter dem Motto „Clown und Klänge – unvergessliche Melodien für vergessliche (und andere) Menschen“ und war gedacht als heiter-musikalische Unterhaltung für demenzkranke Menschen und – das war das ganz Besondere daran – ihre Angehörigen und ihre professionellen Betreuer und die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter der Szene. Für alle war’s Neuland und alle, alle kamen auf ihre Kosten.  Das bestens aufgelegte Brass-Ensemble des Landespolizeiorchesters Baden-Württemberg (Leitung: Bernd Bogisch) hatte für diesen Abend ein völlig neues Programm entwickelt: Sie spielten Melodien, die direkt ins Herz zielten und ihren Zuhörern ein glückseliges Lächeln ins Gesicht zauberten. Für ihr ungewöhnliches Publikum  gab jeder einzelne Musiker alles. Ihr Dirigent, Stefan R. Halder, vergaß oft vor lauter Begeisterung das Dirigieren, spielte stattdessen innovativ die Triangel und betätigte sich vergnügt als Dampfplauderer zwischen den Stücken. Eindeutiger Mittelpunkt des Abends aber war Clown Kampino, der die Gäste schon auf der Treppe begrüßte, jedermanns (und –fraus) Vornamen erfragte und sich auch merken konnte, aber seinen eigenen permanent vergaß. Er stolperte fröhlich durch das gesamte Programm, pustete Seifenblasen über die Musiker und mitten hinein in die riesige Tuba, jonglierte mit wechselndem Erfolg, präsentierte Zauberkunststücke im Takt der Musik und bemühte sich nach Kräften, dem Landespolizeiorchester die Schau zu stehlen. Die Musiker – allesamt Vollprofis ihres Fachs – ließen sich das gutgelaunt gefallen und hatten offensichtlich selbst einen Riesenspaß an der Sache. So kam es, dass sich ein Posaunensolo von Timo Kächele unversehens (spontan?) in die Melodie eines unvergessenen Schlagers verwandelte, den das Publikum selig mitsummte: „Oh, mein Papa war eine wunderbare Clown – oh, mein Papa war eine große Kinstler…“ - ein unwiederholbarer Moment zauberhafter Dichte, ganz großes Kino für alle im Welfensaal. Mit einem Mal war es gleich, wer da Gedächtnisprobleme hatte und wer nicht: Einträchtig und hingerissen saßen sie beieinander: Politiker, Betreuer, Angehörige und Demenzpatienten, ganz egal, allesamt Menschen, die sich berühren ließen von Musik, Clownerie und der Magie des Augenblicks.

 

Apropos Politiker: Natürlich gehören zu einer derartigen Veranstaltung Grußworte. Katrin Altpeter, die baden-württembergische Sozialministerin wedelte drohend mit dem viele Seiten dicken Manuskript, das ihre Mitarbeiter ihr mitgegeben hatten – aber nur, um es dann nicht vorzutragen sondern statt dessen eine kurze Geschichte zu erzählen, die sie am Tag zuvor erlebt hatte.
Monika Amann, die Vertreterin des Landkreises hatte ihr Grußwort pfiffig gereimt und so waren alle die ganze Zeit bestens unterhalten.

 

Clown und Klänge – unvergessliche Melodien für vergessliche Menschen – ein herrlicher Abend, den alle, die dabei gewesen sind nicht so schnell vergessen werden.

← zurück

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. → mehr