Eine Feier im Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung
Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis e. V. begeht 20-jähriges Jubiläum der Demenzbetreuungsgruppen in Waiblingen
Mit einer öffentlichen Veranstaltung im Forum Mitte Waiblingen feierte Anfang Oktober der Fachbereich Leben mit Demenz der Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis e. V. sein 20-jähriges Bestehen.
Über 60 Personen, darunter Waiblingens Oberbürgermeister Sebastian Wolf und Vertreter/-innen aus Kommune und Kirche, nahmen daran teil. Ihnen bot sich ein bunt gestalteter Abend, der vom Pianisten Kai Müller musikalisch untermauert wurde, nicht nur kraft einiger Solistenstücke, sondern auch durch ein gemeinsames Singen verschiedener Schlager und Volkslieder im Laufe des Abends. Nach einem Begrüßungswort der fachlichen Leitung der Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis e. V., Manfred Baumann, führte der geschäftsführende Vorstand Heinz Franke die Zuhörenden in seinem Grußwort zu den Anfängen des niedrigschwelligen Unterstützungsangebots im Jahr 1994.
Thomas Herrmann, Leiter der Sozialplanung für Senioren und der Demenzfachberatung im Landratsamt Rems-Murr, ergänzte dieses durch aktuelle Zahlen und Fakten. Er wies auf die Brisanz des Themas Demenz hin. Über 1,8 Millionen Menschen sind derzeit in Deutschland von einer neurodegenerativen Erkrankung betroffen.
Die Tendenz ist stark steigend und macht somit das Fortführen der Gruppenbetreuungen als Stärkungsangebot für Erkrankte und Angehörige notwendig. Der Grundgedanke der Stärkung ist seit zwei Jahrzehnten Basis des Fachdienstes Leben mit Demenz der Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis e. V. Menschen, die an Demenz erkrankt sind, werden durch vielfältige Aktivierungen in ihren verbliebenen Fähigkeiten gefördert, zudem wird ihnen ein Gefühl der Gruppenzugehörigkeit vermittelt.
Darüber hinaus ermöglicht das insgesamt 15-köpfige Betreuungsteam den Angehörigen mit seinem dreistündigen Gruppenangebot an vier Tagen in der Woche eine Auszeit zum Kräftebündeln und Durchatmen. Den beiden hauptamtlichen Fachkräften Annette Frik-Helber und Sophie Pröhl ist es stets wichtig, die aktuelle Tagesform und die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Gastes zu achten. „Es gibt unglaublich viele Aktivierungen, aber nicht alle sind für jede/n geeignet. Wir wollen fördern, aber nicht überfordern, denn es zählen die kleinen Erfolgserlebnisse, die den Gast stärken, z.B. wenn er erfährt, dass er noch zeichnen kann“, so die beiden bei ihrem anschaulichen Diavortrag, der interessante Einblicke in den Gruppenalltag bot.
Im Anschluss lauschte das Publikum dem eindrücklichen Erfahrungsbericht einer betroffenen Angehörigen. Die sinnhafte Beschreibung der Betreuungsgruppen aus Sicht zweier ehrenamtlichen Demenzbegleiterinnen und einer hauptamtlichen Fachkraft rundeten die Veranstaltung ab. Beim anschließenden Sektempfang war man sich einig: Der Umgang mit Menschen mit Demenz und die Unterstützung von Angehörigen erfordert eine wertschätzende und empathische Haltung. Nur so kann Vertrauen geschaffen und der Weg als ein Miteinander auf Augenhöhe gestaltet werden.
Text: S. Pröhl