Geschichten aus dem Hospiz
Stefan W., unser langjähriger, ehrenamtlicher Mitarbeiter des stationären Bereiches, möchte hier einen besonderen Hospizeinsatz mit uns teilen:
„Ich, das ist selten, war heute den Tränen nahe. Barbara, unsere stellvertretende Pflegedienstleitung hatte mich am Montag gefragt, ob ich Frau M. zu einem Pflegeheim nach Fellbach fahren könnte. Ich hatte Zeit und habe spontan zugesagt. Unser Gast wartete um 10.00 Uhr bereits voller Vorfreude im Wohnzimmer im Hospiz. Ich habe sie begrüßt, sie in mein Auto begleitet, den Rollator verstaut und dann hatten wir eine schöne Fahrt nach Fellbach. Sie hat viel von sich erzählt. Im Pflegeheim angekommen, sind wir auf äußerst freundliche Mitarbeiterinnen gestoßen, die uns den Weg zum Zimmer von Herrn S. erklärten. Herr S. ist pflegebedürftig, seit April im Heim, und war 37 (!) Jahre lang Vermieter und gleichzeitig ein inniger Freund von Frau M.
Angeklopft, Türe geöffnet und ich sah einen völlig überraschten Herrn S. Seine Augen und die von Frau M. füllten sich innerhalb von Sekunden mit Tränen. Ich habe ihm die zwei Päckchen „Nimm 2“ auf den Nachttisch gelegt und verließ für einen Moment das Zimmer. Zwischenzeitlich war ich wieder bei der Anmeldung angekommen. Die beiden Damen hatten einige Fragen. Nachdem ich erklärte, dass dies der Wunsch beider sei, sich zumindest noch ein einziges Mal zu sehen, hatten die Mitarbeiterinnen der Einrichtung ebenfalls Gänsehaut bekommen. Ich könne mit Frau M. jederzeit wiederkommen, direkt vor dem Haus im Parkverbot parken und direkt durchgehen.
Nach einer Dreiviertelstunde habe ich vorsichtig angeklopft. Die beiden saßen innig nebeneinander, aber spürbar müde, auf seinem Bett. Ich habe versprochen, ihm in den nächsten Tagen ein paar Tafeln Milka Vollmilch vorbeizubringen. Er wollte mir Trinkgeld geben für die Fahrt. Ich habe dankend abgelehnt und die beiden haben sich verabschiedet. Es braucht kein Geld für solche Aktionen, ich habe in beide Gesichter geschaut und diese Momente haben mir mehr gebracht, als alles Trinkgeld dieser Welt. Ich habe -auf Wunsch- Fotos gemacht und an beide Einrichtungen geschickt. Diese wurden ausgedruckt und hängen nun in beiden Zimmern. Räumlich getrennt, aber eng verbunden.
Die Rückfahrt mit Frau M. war sehr emotional und schön. Ich werde mein Versprechen einhalten, Herrn S. kommende Woche mit ein paar Tafeln Milka Vollmilch zu erfreuen. Und vielleicht bringe ich als Überraschung noch einmal Frau M. mit.
Heute war ich der private Wünschewagen vom Hospiz und mir geht es sehr gut dabei!“